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Wie haben Sie früher die Alten schockiert?

Lieber Herr Ramspeck Die Aufregung um Moderatorin Bettina Bestgens Tattoos reisst nicht ab. Sowohl ich als auch meine Generationsgenossen verstehen die Aufregung um ein paar bemalte Arme nicht. Sie sagen ja nichts über eine Person und ihre Professionalität aus. Aber wir haben es hier anscheinend mit einer Form der Selbstdarstellung zu tun, die für Ihre Generation noch immer als rebellisch gilt. Sie waren doch auch mal jung: Was war Ihre Rebellion? Schockieren Sie mich!

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Young Küken Joëlle Weil (joëlle.weil@ringier.ch) play
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Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch) play
Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch)

Liebe Joëlle

Vielleicht schockiert es dich, wie ich schon als Kind – gegen die obligatorische Sonntagswanderung – rebellierte: Ich blieb immer dreissig Schritte hinter meinen Eltern zurück. Hielt mein Vater an, um meine Mutter auf einen Schlehdorn aufmerksam zu machen, bewegte auch ich mich nicht mehr von der Stelle, um mein Desinteresse an seinen Ausführungen kundzutun. Tattoos standen uns natürlich nicht zur Verfügung; sie gehörten zum anerkannten Outfit der Matrosen. Ebenso wenig T-Shirts mit obszönem Text. Unsere Hauptwaffe gegen die herrschende Sittlichkeit war die Frisur, die Schmachtlocke oder das sogenannte «Entenfüdli». Als Anfang der Sechzigerjahre der Minirock von Mary Quant aufkam, übernahmen die Mädchen die Führung. Wir Jünglinge zogen mit dem Roten Büchlein von Mao Tsetung nach, das aus unseren Jackentaschen hervorlugte. Überhaupt war jetzt die Zeit gekommen, mit der Rebellion Ernst zu machen und im Konzert der Rolling Stones die Stühle zu zertrümmern. Also uns endlich der Polizei zu stellen. Dass heute eine bemalte TV-Moderatorin für Aufruhr sorgt, zeigt nur, wie brav die Szene wieder geworden ist. Über eine solche Nichtigkeit hätten wir damals gelacht.

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