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Wirbellose: Bitte lächeln, kleiner Krebs

Fotografin Susan Middleton hat Tiefsee-Bewohner ans Licht geholt. Ihr Liebling lebt mit einer Anemone zusammen.

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«Es braucht eine gewisse Besessenheit»: Susan Middleton. play
«Es braucht eine gewisse Besessenheit»: Susan Middleton. ZVG

Leopardenplattwurm, Seestachelbeere, Mützenqualle und Seegurke: Kaum einer kennt die unter Wasser lebenden Wirbellosen, dabei machen diese 95 Prozent der gesamten Fauna unseres Planeten aus. Die US-Fotografin Susan Middleton hat Forschende auf verschiedene Expeditionen begleitet und dabei die wirbellosen Bewohner von drei marinen Habitaten (Hawaii-Inseln, San Juan Islands und Line Islands) fotografiert. Entstanden sind Porträts, die dem Betrachter das Gefühl geben, die Persönlichkeit jedes noch so kleinen Plattwurms erahnen zu können.

Für ihre Arbeit setzte Middleton die Tiere in ein umgebautes Aquarium, das ihr als Fotostudio diente. Manchmal habe sie stundenlang beobachtet, bevor sie auf den Auslöser drückte, erzählt die Fotografin. Die Gewöhnung an die neue Umgebung erfordere immer eine gewisse Zeit. Jedes Tier reagiere anders. Mit einer weissen Seegurke habe sie über mehrere Tage hinweg arbeiten müssen, bis sie ihre aussergewöhnlichen Tentakeln endlich ganz ausgestreckt habe. «Ich musste dafür sorgen, dass sich die Tiere in der ungewohnten Umgebung wohl fühlen.»

Manche Einsliederkrebse töten sogar Schnecken für deren Schalen

«Einsiedlerkrebse sind meine Lieblinge unter den Wirbellosen», sagt Middleton gegenüber Blick am Abend: «Es gibt zwischen 1500 und 2000 verschiedene Arten, sie zeigen beispielhaft, wie vielfältig das Leben im Ozean ist.» Einsiedlerkrebse leben in Schneckenhäusern, die sie sich angeeignet haben. Im Gegensatz zu den Schnecken sind die Krebse nicht fest mit der Schale verwachsen und das tote Gehäuse wächst auch nicht mit ihnen mit. Wird es zu klein, muss der Krebs umziehen. Der Wettbewerb um passende Gehäuse kann sehr heftig werden. Manche Einsiedlerkrebse töten sogar Schnecken, um sich ihre Schale anzueignen. Middleton: «Einsiedlerkrebse sind Überlebenskünstler. Wenn sich keine leeren Schalen finden lassen, ziehen sie auch einmal in einen Flaschendeckel oder in den Kopf einer Plastikpuppe ein.»

Besonders fasziniert ist Middleton von den «Anemone Hermit Crabs». Diese Einsiedlerkrebse heften sich als Jungtiere eine oder mehrere Anemonen auf die Schale. Während der Krebs den Schutz der Anemone geniesst, bekommt diese Essensresten ab. Die Partnerschaft dauert nicht selten ein Leben lang. Zieht der Einsiedlerkrebs in ein neues Gehäuse, nimmt er «seine» Anemone mit.

Viel Erfahrung und eine gewisse Besessenheit seien wichtig für ihren Job, erzählt Middleton – und nicht zuletzt «viel Geduld» – beispielsweise für den «riesigen Plattwurm» (giant flatworm). Der seltene Fund begeisterte zwar Wissenschaftler und Studenten, als Sujet gab die handtellergrosse, gallertartige braune Masse auf den ersten Blick wenig her. Middleton: «Ich befürchtete, das Bild zeige einen langweiligen blauen Klecks. Zu meinem Erstaunen begann der Plattwurm vor meiner Linse zu tanzen. Er drehte und wand sich und drehte seine Innenseite nach aussen. Ich hatte das Gefühl, etwas zu sehen, was noch niemand je gesehen hat.»

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