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Christa Rigozzi will neutral sein: «Ich bin keine Feministin»

«Arena/Reporter» von heute Sonntag widmet sich dem Thema Frauenrechte. Ist es heute noch nötig, für Frauenthemen zu kämpfen? Sind Feministinnen bloss Selbstdarstellerinnen? Läuft die MeToo-Debatte aus dem Ruder? Christa Rigozzi im grossen Interview.

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Donnerstagabend in Zürich-Leutschenbach: Christa Rigozzi  (35) bereitet sich auf die «Arena/Reporter»-Sendung von heute Sonntag auf SRF 1 zum Thema Frauenrechte vor. SonntagsBlick trifft die Moderatorin während einer Pause in der TV-Kantine.

Frau Rigozzi, wie oft sind Sie heute schon wegen Ihres Geschlechtes benachteiligt worden?
Christa Rigozzi:
Heute noch nie. Und auch wenn ich auf die letzten Wochen und Jahre zurückblicke, gab es bei mir kaum je solche Momente. Ich kann Ihnen nichts über persönliche MeeToo-Erfahrungen erzählen. Ich war sicher privilegiert im Vergleich mit Frauen aus anderen Ländern und Zeiten und hatte weniger Hindernisse im Weg. Aber auch ich musste kämpfen für das, was ich erreichen wollte. Mich anstrengen in der Schule und im Gymnasium, im Studium meine Fachkenntnisse unter Beweis stellen. Das passierte aber alles unabhängig vom Geschlecht. Ich war immer gut vorbereitet. Frauen wollen heute dieselben Positionen wie die Männer, was ich gut finde. Doch finde ich es ebenfalls wichtig, dass sich die Frauen das verdienen. Unterschiede können auch selbst verschuldet sein.

Sie haben 2006 mit 23 Jahren an der Miss-Schweiz-Wahl teilgenommen ...
Ich weiss, worauf Sie hinauswollen. Ja, es war ein Beauty-Contest. Man kann schon sagen: etwas oberflächlich. Doch damals war das ein seriöser Wettbewerb, aus dem schliesslich mein Job entstanden ist. Es war für mich ein perfektes Sprungbrett. Bei der Miss-Universe-Wahl hingegen habe ich die Schattenseiten dann gesehen. Wir wurden nur aufs Aussehen reduziert. Das hat mich gestört, ich habe mich nicht wohlgefühlt, wollte sofort wieder zurück. Als Miss Schweiz war ich eine Figur und hatte eine Rolle, dort nicht. Miss Schweiz zu sein, war mehr als nur schöne Kleider und Füdli zu zeigen. Ansonsten wäre ich heute nicht da und würde «Arena/Reporter» moderieren.

Wie stehen Sie zu Quotenforderungen in der Arbeitswelt?
Mir gefallen solche Schlagwörter grundsätzlich nicht. Was heisst Quote genau? Schauen wir uns eine Baustelle an. Wo nehmen wir jetzt die 50 Prozent Maurerinnen her? Und wie ist es bei den Topmanagern? Entscheiden müssen wir doch aufgrund von Fachkenntnissen. Wer ist die geeignete Person? Mann oder Frau ist egal. Mathematik hilft uns nicht weiter. Wichtig ist, was die Frauen wollen. Es gibt Frauen, die sehr happy sind, zu Hause zu bleiben und Mami zu sein. Manche Frauen wollen keinen Kampf. Es gibt Feministinnen hier und auf der anderen Seite Frauen, die sagen, diese Situation ist okay, ich muss nicht auf die Strasse gehen und demonstrieren. 

Aber den Begriff Lohngleichheit akzeptieren Sie?
Auf alle Fälle. Doch lassen Sie mich festhalten: Hundertprozentige Gleichberechtigung gibt es per se nicht. Da sind schon die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau und ihre Folgen. Wir können Kinder gebären, Männer nicht. Eine Schwangerschaft hinterlässt Spuren in der Biografie. Frauen können dadurch Dinge verpassen, Entwicklungen, technische Neuerungen im Job. Ich habe Mühe mit der Forderung, der Staat müsse für Gleichheit sorgen. Aber vielleicht habe ich da als selbständige Unternehmerin eine etwas andere Sichtweise.

Als Feministin würden Sie sich nicht bezeichnen?
Ich bin als Moderatorin in einer speziellen Position, ich sollte ja möglichst neutral sein. Was beim heutigen Thema ein wenig schwerer fällt. Ich kämpfe für meine Rechte. Doch es gibt von der Natur aus Unterschiede, die wir akzeptieren sollten. Komische Vorstellungen, die in unseren Köpfen sind, müssen hingegen verschwinden. Beispielsweise die fixe Zuteilung von Kleiderfarben nach Geschlecht bei Säuglingen, Rosa und Blau. Viel wichtiger wäre doch die Frage: Ist das Kind gesund? Buben, die mit Puppen spielen? Was ist daran falsch? Meinem Göttibub habe ich letztes Jahr eine Küche geschenkt, weil er eine wollte. Sein Vater und seine Mutter waren auch begeistert. Er wird der neue Caminada, da bin ich mir sicher. Mir gefällt es, wenn Männer tanzen und Frauen Fussball spielen. Ich habe nicht gerne Etiketten und Namen. Deshalb würde ich nie sagen, ich sei eine Feministin. Ich will kämpfen und mir nicht eine Bezeichnung geben. Ich will Karriere und Kinder, das ganze Leben unter einen Hut bringen und mich glücklich fühlen dabei.

Kommen wir nochmals zurück auf MeToo. Wie ist Ihre Haltung als öffentliche Person?
Es gibt für mich bezüglich sexueller Belästigung nur eine Haltung: Sämtliche Übergriffe müssen konsequent zur Anzeige gebracht werden. Wir sollten einfach aufpassen, dass wir die Dinge sauber trennen und nicht plötzlich übersensibel werden und uns das Leben schwieriger machen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Kollege von mir ist Turnlehrer. Er hat mir erzählt, dass er sich mittlerweile im Unterricht gehemmt fühlt, wenn er bei Barrenübungen zur Hilfestellung Mädchen berührt. Mittlerweile vermeidet er das lieber, um kein Gerede auszulösen. Und nimmt dabei im Endeffekt lieber einen Unfall in Kauf. Das darf nicht sein. Ich möchte den Tontechniker nach der Sendung auch spontan umarmen können und sagen: Danke, du hast einen tollen Jo gemacht.

Letztes Stichwort Bundesratswahl: Sind Sie zufrieden mit der Auswahl, als CVP-Sympathisantin?
Wirklich? Bin ich CVP-Sympathisantin? Das wusste ich gar nicht (lacht). Also, jetzt mal ehrlich: Es gibt eine Frau und einen Mann, die zurücktreten. Das sind zwei freie Plätze. Ich fände es persönlich gut, wenn auch wieder mindestens eine Frau gewählt würde. Für Doris Leuthard, die ich sehr schätze, wünsche mir ganz einfach eine ähnlich starke Persönlichkeit wie sie. Jemanden, der Lust auf diese enorm anspruchsvolle Stelle hat und sie bestmöglich ausfüllen will.

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