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«Denial»: Kämpferin für die Wahrheit

«Denial» ist ein packendes Gerichtsdrama zu einem höchst aktuellen Thema. Sie ist begeistert – und auch er fühlt sich postfaktisch berührt.

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Rachel Weisz als Deborah Lipstadt. play
Rachel Weisz als Deborah Lipstadt. Bleecker Street

Lukas Rüttimann sagt:

Man glaubt es kaum, aber es kommen tatsächlich noch Filme ohne ­Superhelden oder PS-Bolzer ins Kino. «Denial» ist ein solcher Streifen. Hier geht es zwar auch um eine Heldin – doch die von Rachel Weisz gespielte US-Professorin Deborah Lipstadt ist eine real existierende Person. Sie punktet weder mit coolen Sprüchen noch mit ihrem Aussehen.

Ihr Kampf gegen Holocaust-Leugner David ­Irving ist dennoch so packend wie eine Comic-Verfilmung. Für die Spezialeffekte bei ihrer gerichtlichen Auseinandersetzung sorgt das englische Justizsystem – denn der rechtsextreme Autor ist solange im Recht, bis die Gegenseite das Gegenteil beweisen kann. Doch weil die Nazis in KZs wie Auschwitz vor Kriegsende möglichst alle Beweise für ihre Gräuel verschwinden liessen, ist das nicht so einfach. Diese Ausgangslage macht den Film sehenswert, zumal sie in der heutigen Zeit aktuell wie nie ist. Wenn Irving – toll gespielt von Timothy Spall – mit überheblichem Grinsen hanebüchene Theorien von sich gibt, erinnert das frappant an die postfaktische Methodik heutiger Populisten. So was auf der Leinwand in Grund und Boden gestampft zu sehen, tut gut. Nächste Woche darf es dann ja wieder Hollywood mit dem neuen «King Arthur» sein – post­faktisch bis zum Geht-nicht-mehr auch das. Aber zum Glück völlig harmlos.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

Das sagt Carolina Küstermann:

Auf dem Papier klingt «Denial» eher intellektuell-trocken, bisherige Kinorekorde wird der Gerichtskrimi, der auf einer wahren Geschichte beruht, vermutlich auch nicht knacken. Nichtsdestotrotz ist der Film von Mick Jackson über die Vergangenheit, gerichtet an die Zukunft, extrem spannend und vor allem eins: Wichtig! Denn gerade jetzt, wo Fake News in aller Munde sind und reisserische Populisten die Gemüter spalten, darf man vergangene Gräueltaten wie den Holocaust nicht vergessen.

Es gibt sie also noch. Filme, die zum Lernen gemacht sind, ohne viele Effekte auskommen und trotzdem verstehen, das Publikum im Kinosessel zu fesseln – was vor allem an den brillanten Schauspielern wie Rachel Weisz liegt. Die Rededuelle zwischen Holocaust-Leugner David Irving und Anwalt Richard Rampton stammen aus den Original-Gerichtsunterlagen.

Wenn Irving sich in Rage redet, bringt das einen zur Weissglut und beklemmende Szenen, wie der Besuch von Lippstadt und ihrer Entourage in Ausschwitz, lassen einen das Blut in den Adern gefrieren. Die Gefahr, die vom wirklichen Irving ausging, kommt in «Denial» nicht ganz rüber – fast tut er einem zum Schluss leid. Aber das schmälert in keinem Fall diese beinahe unfassbare, aber wahre und erzählenswerte Geschichte.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

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