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Der Psychothriller fordert vom Publikum viel Geduld: «Drei Zinnen» in der Kinokritik

Der Locarno-Favorit «Drei Zinnen» fordert von seinem Publikum viel Geduld. Sie findets zum Gähnen, er ist vom ödipalen Psychothriller fasziniert.

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Alexander Fehling (l.), Arian Montgomery. play
Alexander Fehling (l.), Arian Montgomery. outnow.ch

Das sagt Lukas Rüttimann:

Keine Ahnung, obs an der Weltlage, dem Klimawandel,  Kim Jong Un oder an Donald Trump liegt. Aber mit bösen Filmkindern habe ich zunehmend Mühe. Ich spreche nicht von Fantasy-Biestern wie der kleinen Regan in «The Exorcist», sondern von realistisch durchtriebenen Bälgern wie in «We Need to Talk About Kevin». Schliesslich sollten Kinder doch gut sein – und wer das in Frage stellt, rüttelt wohl nicht nur an meinem Weltbild.

So gesehen war «Drei Zinnen» eine ziemliche Tortur für mich. Nicht wegen des meditativen Tempos, das der Film anschlägt. Das ist ein Stilmittel, das die Spannung bis zum Ende genial aufbaut. Nein, der kleine Tristan ist es, der schwer zu ertragen ist. Ein manipulativer kleiner Teufel, getrieben von einem gigantischen ödipalen Komplex. Sie wissen schon: Junge begehrt insgeheim die Mutter und will den Vater töten. Das ist in «Drei Zinnen» ­wunderbar subtil und atemberaubend schön in ­Szene gesetzt, stets im Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Zuneigung. Klar: Ersatzvater Aaron (toll: Alexander Fehling) kann man Blauaugigkeit vorwerfen.

Aber letztlich will er nur wie so viele andere, Schreibender eingeschlossen, ans Gute im Kinde glauben. Dieser Schuss geht hier brutal nach hinten los – und man kann die Schuld dafür nicht mal Donald Trump oder Kim Jong Un in die Schuhe schieben.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

Das sagt Carolina Lermann:

Wer die ersten 55 Minuten von «Drei Zinnen» übersteht – gähnende Leere wechselt sich mit unfassbar langweiligen Dialogen ab –, wird zum Schluss für sein Durchhaltevermögen tatsächlich noch belohnt. Ich verspreche es! Aber fangen wir erst mal von vorne an. 

Drama: Patchworkfamilie. Vom dicht besiedelten See geht es für Mutter, Ersatzvater und Kind hoch in die Dolomiten in eine einsame Berghütte. Ferien für die ­moderne Familie, die den Zusammenhalt stärken sollen. Hört sich schön an, endet aber umgeben von mächtigen Bergmassiven in einer ­Katastrophe. Machtkämpfe um ­Zuneigung werden ausgetragen. Bewunderung und Hass wechseln sich zwischen dem neuen Mann an der Seite der Mutter und dem Sohn ab.

Bevor das Familiendrama zum rasanten Thriller am Berg wird, muss man sich leider erst mal durch unzählige Szenen durchkämpfen, die eine komatöse Wirkung auf mich haben. Oft stellt man sich die Frage, ob gerade das Bild stehengeblieben ist. Action sucht man hier in der ersten ­Stunde vergebens.

«Drei Zinnen» von Jan Zeibel geht zum Schluss doch noch unter die Haut. Eine unerwartete Handlungswendung und ein diabolisches Kind lassen einem das Blut in den Adern gefrieren – wortwörtlich!

Bewertung: 2 von 4 Sternen

Gut zu wissen über «Drei Zinnen»

Abstract: Aaron lädt seine Freundin Lea und ihren Sohn Tristan zu einem Urlaub in die Berge ein. In der Hoffnung, seine Beziehung zu Tristan zu vertiefen, bricht Aaron mit dem Jungen zu einer Wanderung auf. Doch der Ausflug nimmt eine jähe Wendung, als der Junge spurlos verschwindet. Ein Stiefvater-Sohn-Drama vor dem Hintergrund der Dolomiten.

Länge: 94 Min.

Land: Italien, Deutschland

Besetzung: Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian ­Mont­gomery

Regie: Jan Zabeil

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