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Interview mit Schriftsteller Gaël Faye: «Ich bin eine globale Fusion»

Gaël Faye (35) erzählt in «Kleines Land» von einem Jungen in Burundi, dessen heile Kindheit jäh zu Ende geht.

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Der Sohn eines Franzosen und einer Tutsi wuchs in Burundi auf und kam 1994 nach den brutalen Morden zwischen Hutsi und Tutsi nach Frankreich. Sein Buch «Kleines Land» wurde an der Frankfurter Buchmesse dieses Jahr gefeiert – die Geschichte des Jungen Gabriel, der in Burundi die politischen Vorgänge im Land miterlebt und nach Frankreich auswandern muss. Gaël Faye lebt in Paris, seine Frau und seine beiden Kinder wohnen in Kigali in Ruanda. Das Interview gibt er im Zürcher Hotel «Rothaus», abends liest er im Rahmen von «Zürich liest».

Sie haben zwei Jahre als Investmentbanker in London gearbeitet. Was hat Ihnen an dem Job gefallen?

Nichts! Ich habe die Business-Ausbildung nur aus Angst gemacht, arbeitslos zu werden.

Sie haben nach zehn Jahren gekündigt und wurden Rapper.

Es war immer mein Traum gewesen, ein Album zu machen. Nach einem Jahr war ich schon so weit, dass ich mit der Musik auf eigenen Füssen stehen konnte.

Dann haben Sie den Roman begonnen.

Mit 13 Jahren, als ich noch in Burundi lebte, schrieb ich bereits Gedichte. Das tue ich auch heute noch fast täglich. Auch über meinen Aufenthalt in Zürich werde ich ein Gedicht schreiben. Aber der Grund, dass ich einen Roman geschrieben habe, war das Exil.

Wie kam das?

Ich war ein schüchterner Junge. Durch die Erfahrung des Exils war aber auf einmal so viel in mir – ich musste aus mir ­herausgehen und das aufschreiben.

Aber der Junge – Gabriel –  das sind doch nicht Sie, oder?

Nein. Aber Burundi ist ein kleines Land. Es gibt nur die mündlich erzählte Geschichte. Sie reden mit irgendjemanden und plötzlich tun sich Schleusen auf. Menschen wie in meinen Buch gibt es in Burundi oder Ruanda überall. Von ­ihnen wollte ich erzählen.

Warum sind Menschen so ­gewalttätig?

Ist es Unwissenheit? Angst? Ich weiss es nicht. Ich kann nur den Schluss daraus ziehen, dass wir immer wachsam sein müssen. Die Gewalt kann so schnell ausbrechen, denken Sie an Syrien, das war vor fünf Jahren noch ein schönes Land.

Aber was kann der Einzelne tun?

Wachsam bleiben. Mich macht es wütend, wenn die Menschen in Europa sagen, Politik interessiert mich nicht, ich gehe nicht wählen. Das finde ich zynisch. Man muss dafür arbeiten, dass die Welt besser wird. Faulheit mag ich nicht.

Hat Ihr Buch eine Botschaft?

Ja. Dass wir alle das gleiche Leben haben, egal, ob wir in Ruanda oder Burundi oder in Paris sind. Wir interessieren uns für MTV, Mike Jordan, die Eltern lassen sich scheiden. Wir leben in Afrika genau so wie in Europa – nur wachsen in Paris keine Mangos.

Sie leben teils in Paris, teils mit Ihrer Familie in Ruanda. Wo fühlen Sie sich wohler?

Nirgends. Ich schaffe mir mein eigenes Land. Ich bin Ruanda, Burundi und Frankreich. Ich bin immer ich. Ich bin eine globale Fusion.

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