Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Kinokritik «Glow»: Die echte Schweizer “Pretty Woman“

«Glow» zeichnet das Leben der berühmtesten Dirne der Schweiz nach. Sie kann den Kult nicht verstehen. Er sieht den Film als Plädoyer zum Anderssein.

11 Reax , 365 Views
teilen
teilen
0 shares
Irene Staub alias Lady Shiva. play
Irene Staub alias Lady Shiva. zVg

Das sagt Lukas Rüttimann:

Zeitreise-Movies gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Was das mit dieser Dok zu tun hat? Nun, «Glow» bietet zwar keine ­Science-Fiction, doch in eine andere Ära kann man mit diesem Film auch reisen. Regisseurin Gabriel Baur ist ein spannendes, stimmungsvoll inszeniertes ­Porträt über die 80er-Ikone Irene Staub gelungen. Ihr Film lässt aber dank der vielen ­tollen Archivauf­nahmen auch das Zürich der späten Siebziger und frühen Achtziger wieder aufleben.

«Züri brännt», die Anfänge von Yello in der Roten Fabrik, die kreative Aufbruchstimmung, das He­roin, die grausigen Kleider – man hat vergessen, wie spektakulär die Zeiten waren. Auch deshalb, weil man noch gegen das Establishment rebellieren konnte. Irene Staub war auf ihre Art auch eine Rebellin. Ihr nonchalantes Selbstverständnis als Hure wäre heute noch ein Thema; damals aber war es eine Sensation. Eigentlich war sie wie «Pretty Woman» in echt – nur ohne Happy End. Dass sie am Spagat zwischen Kreativität, Luxus­leben und Siff kaputtging, ist Beweis für ihre innere ­Zerrissenheit, die man stärker ­hätte gewichten können. Doch der Regisseurin war es wichtig, ein positives Statement für das Anderssein zu machen.

Sobald man sich als Zuschauer wieder ins Jahr 2017 zurückge­beamt hat, darf man sich davon durchaus inspirieren lassen.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

Das sagt Carolina Lermann:

Läuft man heute durchs Niederdorf, ist es schwer vorstellbar, dass es hier mal richtig dreckig und crazy zuging – so aufgeräumt und überschaubar, wie es jetzt ist. In den Siebzigern, als die 68er-Bewegung noch jung war, sah das alles anders aus. Der Freiheit waren rechts der Limmat keine Grenzen gesetzt. Kreative Paradiesvögel fanden sich zusammen, jeder machte sein Ding – und doch wollten sie alle nur wie die eine sein: Irene Staub. Von der Faszination rund um Staub aka Lady Shiva erzählt die Dokumentation «Glow». Das einzig wahre It-Girl von Zürich lebte schnell und starb jung. Mindestens genauso intensiv wie das Leben des Models, der Muse und Hure ist der Film von Gabriel Baur. Man muss sich schon ganz auf den kunstvollen Film einlassen, ansonsten übersteht man die 100 Minuten nur schwer.

Harte Schnitte treffen auf laute Punk-Rock-Töne. Originalaufnahmen aus den Siebzigern vermischen sich mit emotionalen Interviews aus dem Hier und Jetzt. Zürcher Ikonen wie Ursula Roder plaudern aus dem Nähkästchen. Ein wunderbarer Film, der einen in die verruchte Vergangenheit Zürichs blicken lässt.

Dennoch bleibt für mich die Faszination rund um das einstige It-Girl auch nach «Glow» unverständlich. Die blonde Amazone ist einfach nicht fassbar.

Bewertung: 2 von 4 Sternen

Das muss man über «Glow» wissen:

Abstract: Irene Staub war eine 80er-Ikone, die durch die international erfolgreiche Schweizer Modepionierin ­Ursula Rodel entdeckt wurde. Aber die attraktive ­Blondine lebte noch ein anderes Leben: Im Niederdorf schaffte sie vor dem Cabaret Dancing Maxim an. Doch «Lady Shiva» war kein Opfer: Sie wollte eine Hure sein, strebte aber auch nach Selbstverwirklichung. Sie sang und schauspielerte, allerdings mit mässigem Erfolg. «Glow» zeichnet ihr Leben nach – bis zu ihrem frühen Tod, als sie unter ungeklärten ­Umständen in Thailand bei einem Unfall ums ­Leben kam.

Länge: 100 Min.

Land: Schweiz

Besetzung: Irene Staub, Ursula Rodel, Boris Blank, Federico Emanuel Pfaffen

Regie: Gabriel Baur

Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Newsletter

Erhalte die besten Geschichten täglich per E-Mail Newsletter Abonnieren