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Mundart-Star Gölä über Kinder, Drogen und sein Karriere-Ende: «Kiffen macht die Birne hohl»

Mundart-Star Gölä ist vor drei Wochen wieder Vater geworden. Im Interview erzählt er, ob er ein strenger Vater ist, wie es ihm finanziell geht und ob er keine Angst vor der Einsamkeit hat.

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Macho und Frauenversteher. Bauarbeiter und Rockstar. Seine schönste Rolle aber ist es, Vater zu sein. Am 13. April ist Gölä (45) erneut Papa geworden. Gattin Heidi (25) schenkte ihm die zweite Tochter Leslie.

Sonntagsblick: Wie ist es mit drei Frauen unter einem Dach?
Gölä:
Hilfe! Schauen Sie sich bloss meine Augenringe an! Ich komme kaum zum Schlafen. Rund um die Uhr will eine der drei irgendetwas von mir. Nein, jetzt im Ernst: Es ist wunderbar. Auch Nikki, die ältere zehnmonatige Tochter, freut sich sehr über ihre Schwester. Sagt sie zumindest in ihrem Kauderwelsch.

Aus früheren Beziehungen haben Sie noch zwei Söhne. Was ist heute anders im Familienleben?
Mit dem Alter bin ich hoffentlich auch ein bisschen schlauer geworden. Ich nehme mir mehr Zeit für meine Kleinen. Früher war ich ständig auf Trab. Bei Mike war ich alleinerziehender Vater und musste auch arbeiten gehen, um über die Runden zu kommen. Mein Ältester hat wohl schon gelitten, dass sein Vater oft weg war. Aber das ist bei vielen Eltern so, die im Berufsleben stecken.

Sind Sie ein strenger Vater?
Ich glaube schon. Aber auch nur, weil ich weiss, dass das Leben später sehr streng sein kann. Es bringt nichts, wenn du deine Kinder verhätschelst und sobald sie auf eigenen Beinen stehen sollten, sind sie überfordert. Das Leben verpasst dir oft Ohrfeigen. Als Eltern sollte man schon früh einschreiten und den Kindern Grenzen setzen.

Antiautoritäre Erziehung ist nicht Ihr Fall.
Ein klares Wort zum richtigen Zeitpunkt hat noch nie geschadet. Aber ich bin ein Vater, mit dem man reden kann. Und ich will meine Kinder auch nicht einengen. Sie sollen ihren eigenen Weg gehen und müssen ihre Fehler selbst machen.

Ihr älterer Sohn Mike wird 18. Wie behandeln Sie das Thema Drogen bei Ihren Kindern?
Etwas zu verbieten, bringt nichts. Das hat auch bei mir nichts genützt. Als ich jung war, habe ich die meisten Drogen ausprobiert – trotz Warnungen meiner Eltern. Das ist nicht löblich, aber dafür weiss ich, wovon ich rede: Drogen sind Scheisse.

Wie geben Sie Ihre Erfahrungen weiter?
Ich sage zu meinen Kindern: Schaut, die Kifferei ist nicht so schlimm wie die harten Sachen. Aber irgendwann solltest du wieder aufhören, denn es macht die Birne hohl. Ich kann heute nichts mehr auswendig lernen. In der Schule schaffte ich das noch spielend. Durch die Kifferei ging mein Gedächtnis kaputt. Das Kiffen ist nicht so harmlos, wie es oft heisst.

2011 hatte Gölä eine Krise. Seine langjährige Partnerin verliess ihn, er zog sich wochenlang zurück, trank viel und komponierte die Hit-CDs «Ängu u Dämone 1 und 2». Nun ist ein neues Album erschienen. Eine in Nashville (USA) neu eingespielte Ansammlung seiner schönsten Balladen.

Fällt Ihnen nichts Neues ein?
Bei mir ist es echt so, dass ich am kreativsten bin, wenn es mir beschissen geht. Und momentan geht es mir fantastisch! Ich wollte aber schon immer ein Balladen-Album machen – jetzt war die Zeit reif. Darauf sind zwei brandneue Songs. «Ds erscht Mau» und ein Liebeslied für Heidi: «Dr Himu brönnt».

Neue Songs zu schreiben ist ein Krampf. Wie lange tun Sie sich das noch an?
Ich weiss es nicht. (Überlegt lange). Mein Ziel ist es, mich mit 50 pensionieren zu lassen. Ich möchte die Menschen nicht als alter Sack auf der Bühne nerven.

Sie denken wirklich an Rücktritt?
Ja. Aber das heisst nicht, dass ich danach nicht mehr musikalisch tätig sein will.

Was werden Sie machen?
Ich würde gerne jüngere Bands fördern, für sie Songs schreiben und produzieren. Ich möchte mehr in den Hintergrund treten – was mir eigentlich eh besser liegt. Mein Kinderprojekt «Papagallo & Gollo» werde ich aber weiterführen.

Wie geht es Ihnen finanziell?
Ich kann nicht jammern. Aber ich bin kein Multi-Millionär. Mir geht es ordentlich. Denn ich bin kein fauler Sack. Ich stehe meist morgens um sechs Uhr auf. Das Lied vom Büezer-Rocker ist kein Märchen, sondern Realität. Ich werke momentan auf drei Baustellen gleichzeitig, dazu kommt die Musik. In den zweieinhalb Jahren mit Heidi haben wir gerade mal vier Tage Ferien zusammen verbracht.

Ein Jahr nachdem er Heidi in einer Coop-Filiale angesprochen hatte, heiratete er sie 2012. Nun wollen sich die beiden den Traum vom eigenen «Heimetli» erfüllen.

Sie bauen über dem Thunersee ein neues Haus um, in völliger Abgeschiedenheit. Flüchten Sie vor den Menschen?
Ja, sonst würde ich nicht so weit gehen. Aber das hat auch einen ganz banalen Grund.

Welchen?
Ich weiss nicht, ob ich das der ganzen Schweiz sagen soll. Also gut: Ich renne am liebsten füdliblutt ums Haus herum. Und an meinem jetzigen Wohnort geht das schlecht. Wenn man aber so abgelegen wohnt, kannst du machen, was du willst. Heidi und ich möchten dort Geissen züchten und unseren eigenen Käse machen. Platz für Schweine, Kaninchen und Hühner hats auch. Weil wir nicht am Stromnetz angeschlossen sind, werden wir den Strom mittels Solarzellen erzeugen und mit Holz heizen. So zu leben, ist unser Traum. Wir wollen zurück zu den Wurzeln.

Keine Angst vor der Einsamkeit?
Im Gegenteil! Ich fühle mich in der Stadt nicht wohl. Ich bin immer in die Natur gegangen, wenn ich mich gut fühlen wollte. Ich könnte nie in Bern oder Zürich leben. Ich war auch noch nie in New York, das würde mich nur nervös machen.

Waren Sie schon immer ein Einzelgänger?
Ja. Zwischendurch habe ich zwar gerne Leute um mich herum. Wir grillieren und trinken ein Bier zusammen. Aber sogar bei den Menschen, die ich gerne habe, bin ich froh, wenn sie wieder aufbrechen. Am liebsten habe ich nur meine Familie und unsere Tiere um mich. Meiner Frau geht es zum Glück genauso. Wir schaffen uns unsere eigene kleine Welt, in der wir glücklich sind. Mehr brauchen wir nicht.

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