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Nach 40 Jahren macht er Schluss: Beni Thurnheer verlässt das Fernsehen

Beni Thurnheer geht in Pension, zumindest was das Fernsehen anbelangt. Zeit, noch ein paar Dinge loszuwerden.

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Beni Thurnheer, gestern Abend moderierten Sie die letzte eigene Sendung, das «Sportpanorama». Waren Sie nervös?
Beni Thurnheer:
Ich hatte schon so viele letzte Sendungen: Letztes «Benissimo», letzte WM, letzter Match. Ich hoffe, ich langweile die Leute nicht mit dem Verabschieden.

Wie haben Sie sich auf Ihr letztes «Sportpanorama» vorbereitet?
Gleich wie auf die letzten 417 Sendungen zuvor. Ich mache nichts aus dem Stegreif, auch nach so vielen Jahren nicht. Um elf Uhr komme ich ins Studio, schaue die Beiträge und überlege, wie ich sie anmoderieren könnte. Ich will immer etwas Pepp reinbringen. Die grösste Challenge ist aber das Interview.

Haben Sie eine Lieblingsfrage?
Alles, was mich persönlich an meinem Gegenüber gerade interessiert. Herbert Grönemeyer fragte ich, ob er in der Nacht aufwacht und Ideen niederschreibt. Oder Ottmar Hitzfeld, wie er es rein logistisch schafft, sich mit allen Spielern auszutauschen.

Wer war denn Ihr liebster Gast?
Roger Federer. Er antwortet völlig offen, gibt keine Klischeesätze oder, noch schlimmer, taktische Aussagen von sich. Die schlimmsten Interviewgäste sind die, welche in Gesprächen auswendig gelernte Sätze von sich geben.

Was werden Sie als Rentner vermissen?
Ich gehe ja nicht richtig in Pension. Oder hätten Sie gerne, dass ich von 100 Prozent auf null falle und depressiv werde?

Nein, das wünschen wir uns sicher nicht! Was tun Sie, damit Sie nicht in ein Loch fallen?
Ich habe jedes Jahr mein Pensum etwas reduziert. Darum werde ich leicht landen. Ich kommentiere weiterhin Kunstturnen und werde auch in Rio an den Olympischen Spielen dabei sein – darauf freue ich mich!

Am Bildschirm wird man Sie aber nicht mehr sehen.
Ich habe keine eigene Sendung mehr, das ist ein Meilenstein. Ich konnte mich je länger, je weniger am TV anschauen. Man wird halt älter, und da hilft auch die Routine nicht mehr. Jetzt sollen die Jungen ran.

Sie haben angekündigt, sich einen Bart wachsen zu lassen, wenn Sie nicht mehr vor die Kamera müssen. Was sagt Ihre Partnerin dazu?
Mal schauen, ob sie was dagegen hat. Ich kann jetzt einen Bart tragen, ohne Aufsehen zu erregen. Das war bisher anders. Als ich mal unrasiert im TV auftrat, war ich danach das Gesprächsthema schlechthin.

Über Ihr Gewicht wurde oft diskutiert. Wie sportlich sind Sie heute?
Ich kämpfe immerwährend gegen das Übergewicht, das habe ich in den Genen, ich neige zum Zunehmen. Jetzt treibe ich aber viel mehr Sport als früher, habe fast täglich Zeit für eine Mountainbike-Runde. Aber wenn man mich auf meinen Bauch aufmerksam macht, sage ich: Der hat extrem viel gekostet (lacht).

Welchen TV-Moment würden Sie eigentlich am liebsten vergessen?
Das Blackout mit Andy Hug vor etwa 15 Jahren war schrecklich. Ich wusste nach dem Beitrag plötzlich nichts mehr – nicht mal mehr den Namen von Andy. Ich hatte mich innerhalb von Sekunden in eine Panik reingesteigert.

Das sorgte für Spott. Auch Ihre Fussballkommentare wurden in letzter Zeit harsch kritisiert. Taten  diese Worte weh?
Diese Kritik findet meist nur im Internet statt und ist anonym. Ich kann diese Leute nicht ernst nehmen. Wenn eine Million zuschaut, hast du immer 10 000, die dich entsetzlich finden. Und das sind dann halt oft diejenigen, die Kommentare schreiben.

Mussten Sie sich einen Panzer zulegen?
Ja, das musste ich. Aber die richtig harsche Kritik erlebe ich erst seit gut zehn Jahren. Du kannst heute nichts mehr am TV sagen, ohne dass zehn Leute, die keine Ahnung haben, an dir herumkritisieren. Meistens mit der Begründung, du seist schlecht und hättest keine Ahnung. Eigentlich lohnt es sich gar nicht, sich damit auseinanderzusetzen.

Sie selbst sind auch nicht auf den Social Media vertreten.
Nein, ich habe kein Facebook und kein Twitter und lebe gut damit! Meine Partnerin ist nicht jemand, der ganze Abende vor dem Fernseher sitzt – und sie zieht mich immer mehr in ihre Richtung. Heute schaue ich im Vergleich zu früher weniger TV. Leider ist es so, dass die Medien immer mehr unterhalten und immer weniger informieren. Sendungen wie die «Bachelorette» finde ich unter­irdisch.

Schauen wir in die Zukunft. Was möchten Sie unbedingt noch erleben?
Ich sammle Länder. Dank meiner Reportertätigkeit war ich bis auf fünf Länder in allen europäischen Staaten. Letztes Wochenende besuchte ich als Fan der Fussball-Nationalmannschaft Litauen. Das war mein 87. Land. Die 100 will ich noch erreichen.

Könnten Sie sich vorstellen auszuwandern? Sie lieben ja Sydney in Australien.
Sydney ist super. Aber wie alle im Sternzeichen Krebs Geborenen bin ich verwurzelt und häuslich. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, die Schweiz eines Tages zu verlassen.

Sonst Träume? Sie haben noch keine Enkel.
Meine Partnerin ist bereits Grossmutter, und somit erlebe ich das Grossvater-Feeling schon etwas mit. Ich nehme es, wie es kommt. Das war schon so, als meine Söhne zur Welt kamen. Ich hatte weder den dringenden Wunsch, Papi zu werden, noch wollte ich es verhindern. Ich lasse die Natur arbeiten, dann kommt es schon gut.

Jeder erkennt Sie auf der Strasse. Freuen Sie sich eigentlich auf die Anonymität?
Ich bin nie anonym. Beim Länderspiel in Litauen habe ich gefühlt 100 Selfies gemacht. Ich war 40 Jahre im Geschäft, da dauert es vermutlich nochmals 40, bis die Leute mich vergessen haben.

Wie werden Sie den Montag nach der Sendung verbringen?
Das ist eben das Schöne. Am Montag habe ich keine Termine und brauche deshalb nichts zu planen.

Beni Thurnheer hat keine eigene TV-Sendung mehr – dafür mehr Zeit für sich und seine Hobbys. play
Beni Thurnheer hat keine eigene TV-Sendung mehr – dafür mehr Zeit für sich und seine Hobbys. Thomas Lüthi
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