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Federer-Manager Tony Godsick exklusiv: «Es ist fraglich, ob Roger noch drei Jahre spielt»

Bei einem Treffen in Zürich gibt Tony Godsick eines seiner seltenen Interviews. Der Federer-Manager exklusiv zu BLICK über den Laver-Cup im September 2019 in Genf, Rogers Brillanz als Geschäftsmann und warum der 37-Jährige vorerst noch Tennis-Profi bleibt.

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Tony Godsick, Sie sind rastlos. Kaum ist Chicago Geschichte, geben Sie Vollgas mit dem Laver Cup in Genf!
Tony Godsick:
Das ist mein Leben. Aber wir zehren von den tollen Erinnerungen aus Chicago. Roger war etwas enttäuscht, dass keine Schweizer Medien vertreten waren. Haben Sie den Laver Cup verfolgt?

Ja, es gab tolle Matches.
Es war ein grossartiger Event. Die Zuschauerzahl lag bei 19'000 in dieser Riesen-Arena. Auch die Fan-Zone draussen war immer voll. So was sieht man allenfalls bei den US Open. Die Leute kamen, um die grossen Stars zu sehen – sie sahen mehr als erwartet. Und nun müssen wir nächsten September in Genf alles noch besser machen.

 

Können Sie den Mega-Event in der Schweiz überhaupt toppen?
Er wird anders, aber er soll noch besser werden. Das ist ja gut an den jährlichen Wechseln, in jedem Land ändert sich die Mentalität. In Prag und Chicago mussten wir mit dem leben, was man uns gab. Nächstes Jahr organisieren wir, so wie wir wollen – ohne Grenzen. Wir wollen ein globales Tennis-Festival mit noch grösserer TV-Reichweite und rechnen mit rund 20'000 Fans pro Tag. Mit den exklusiven Live-Bildern aus den Garderoben sehen die Menschen die Stars wie sonst nie. Wir werden Fans, VIPs und Spieler rund um die Palexpo-Halle verwöhnen.

Ist die Stadt Genf kooperativ?
Extrem. Genf ist begeistert! Die Westschweizer haben Roger schliesslich noch nicht oft spielen sehen. Zur Auswahl stand auch Berlin, ebenfalls eine aufregende Stadt – aber Genf bekam klar den Vortritt.

Auch weil Federer nicht mehr lange spielt?
Wir konnten nicht mehr länger warten. 2020 wird der Laver Cup wieder ausserhalb Europas durchgeführt. Ob Roger noch drei Jahre weiterspielt, ist wirklich fraglich.

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Godsick steht seit 2005 an Federers Seite. Wie hier in Wimbledon neben Mirka Federer. Sven Thomann|Blicksport

Garantiert der Laver Cup in Genf, dass Federer noch ein Jahr aktiv ist?
Ich hoffe es! Er selbst weiss nicht, wann er aufhört. Für mich ist das manchmal frustrierend, denn ich bin ein organisierter Mensch und plane gerne im Voraus. Roger versicherte mir, dass er den Laver Cup in Genf spielen wird.

Wird auch Nadal dabei sein?
Das ist unser Ziel! Ich glaube, dass wir in Genf ein All Star Team haben werden. Dazu gehören auch «Fire and Ice», die Captains John McEnroe und Björg Borg. Die Besten kommen nur schon in die Schweiz, weil es Rogers Heimat ist. Dass er Schweizer ist, ist einer seiner wertvollsten Vorzüge. Das Land ist ein wichtiger Markt mit grossartigen Unternehmen.

Ihr Bezug zur Schweiz?
Ich liebe dieses Land, eines der besten der Welt! Tolle Städte wie Zürich und Genf, wo man im See baden kann und die Berge nebenan hat! Hier ist es sicher, die Leute sind entspannt. Meine Frau und ich haben das Glück, dass wir dank Roger häufig hierher kommen dürfen. Warten Sie... (holt den Swiss Pass der SBB aus seinem Portemonnaie), schauen Sie, sogar das habe ich!

Es gibt beim Laver Cup keine ATP-Punkte. Wie ernst nehmen ihn die Spieler?
Natürlich nehmen sie den Laver Cup ernst! Als Spieler hast du individuellen Ehrgeiz und willst für deine Teamkollegen gewinnen. Wenn da fünf, sechs Leute auf deiner Bank sitzen, die Idole McEnroe und Borg sowie eine Legende wie Rod Laver zuschauen – die will man doch beeindrucken. Ausserdem werden Rivalen zu Freunden, das ist faszinierend.

 

Der Davis Cup serbelt – wegen dem Laver Cup?
Wir haben den Davis Cup sicher nicht getötet! Allerdings denke ich, dass sie ihn zu drastisch und schnell verändert haben. So ist es kein Davis Cup mehr. Ich hätte es gerne gesehen, wenn er im alten Format nur noch alle zwei Jahre stattgefunden hätte. Oder über zwei Gewinnsätze gespielt würde.

Zudem bahnt sich eine Termin-Kollision an.
Gerard Piqué, der Organisator und Investor, sagte mir, dass die Finalwoche des Davis Cup die nächsten fünf bis zehn Jahre im November stattfinden wird. Wir halten jedenfalls an unserem Datum fest.

Schreibt der Laver Cup schwarze Zahlen?
Im ersten Jahr verloren wir Geld, aber schon dieses Jahr waren wir profitabel. Wir machen das nicht in erster Linie, um zu verdienen. Wir wollen einen Event aufbauen, der eines Tages Tradition werden soll. 

Braucht es ihn im überfüllten Turnierkalender?
Die Tour mit stets gleich funktionierenden Turnieren ist zu lang, das ist klar. Wir sind ein Dreitages-Event, mit nur 12 Spielern, die Tennis einmal auf andere Weise auf höchstem Niveau präsentieren. Die Leute lieben es, Federer mit Nadal oder Djokovic Doppel spielen zu sehen! Und die anderen Spieler können nur von der Popularität profitieren. Wenn das Tennis unter vielen anderen Sportarten nicht untergehen will, braucht es Innovation. 

Wie geht es ohne Roger, Rafa und Co. weiter?
Roger sagt immer: Es wird neue Nummern 1, neue Grand-Slam-Sieger geben. Sie werden das Zepter übernehmen und sich mit dieser Plattform profilieren. Das war schwierig neben Roger, Rafa und Novak – deren Dominanz ist nicht nur gut fürs Tennis. Ausserdem bleibt Roger den Fans erhalten. Eines Tages sitzen er oder Rafa vielleicht auf der Captains-Bank und coachen.

Könnte Federer auch nach dem Rücktritt spielen?
Theoretisch ja, auch wenn ich nicht glaube, dass er das tun wird. Aber neben den vier Top-Spielern pro Team gibt es zwei Captains-Pics. Sie könnten Roger z.B. zu einem Einzel oder Doppel aufbieten – vielleicht hat er dann ja im Interclub oder bei den Clubmeisterschaften im Grasshopper Club gut gespielt.

Wie macht sich Roger als Geschäftsmann?
Im Moment ist er noch voll Tennis-Profi. Er sagt immer, der Moment, in dem er mehr über die Zukunft nachdenke, sei der Moment, in dem er zurücktrete. Er ist ein brillanter Stratege, hat eine unglaubliche Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen und Informationen verständlich zu vermitteln. Das verdankt er auch seinen Eltern, weil sie ihn weltoffen aufwachsen liessen. Roger bereiste schon früh die Welt, sah verschiedene Kulturen und lernte dabei, den Puls der Menschen zu fühlen, was sie mögen und wie man sie behandelt. Ja, er ist ein hervorragender Geschäftsmann. 

Punkto Sponsoren sorgt er für die Zeit danach schon vor.
Wir schauen, dass er Langzeit-Deals hat. Dieser Business-Aspekt gefällt ihm. Und er interessiert sich auch für Grossprojekte in anderen Sportarten, die wir promoten wollen. Rogers Ideen sind sehr inspirierend für uns. Aber solange er aktiv ist, involvieren wir ihn nicht zu sehr ins Geschäft.

Wie wird Ihr Tag, wenn Federer zurücktritt?
Für die Sportwelt wird es ein trauriger Tag. Aus meiner geschäftlichen Sicht nicht. Ich werde mehr von seiner Zeit bekommen – und das wird sehr, sehr aufregend!

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Strippenzieher von Federers Millionen

Anthony Lewisohn Godsick (48) ist einer der einflussreichsten Sportmanager. Der studierte Politikwissenschaftler aus New York begann als Vertreter der in Cleveland sesshaften Sportmanagement-Agentur «IMG». Als 20-jähriger IMG-Praktikant durfte er Monica Seles betreuen – der Startschuss für eine brillante Karriere.

Seit 2005 spannt Godsick mit Roger Federer zusammen. Der freundliche Amerikaner, der als knallharter Geschäftsmann gilt, ist der Strippenzieher hinter den Millionen-Gewinnen (laut Forbes rund 70 Millionen jährlich) seines lukrativsten Klienten, mit dem er 2012 die Boutique-Agentur «Team 8» gründete. «Team», weil ihr Team das Wichtigste sei und «8», weil dies Rogers Lieblingszahl sei, verriet er unlängst im Tennis Magazin.

Zu den grössten eingefädelten Sponsoren-Deals für Federer gehören dessen lebenslanger Vertrag mit Racket-Hersteller Wilson (seit 2006), der 2008 abgeschlossene 10-Jahres-Vertrag mit Nike für angeblich 130 Millionen Dollar sowie der jüngste Coup mit dem japanischen Kleider-Ausrüster Uniqlo, der dem Schweizer jährlich 30 Millionen bescheren soll. Daneben ist der Superstar Botschafter namhafter Luxus- und Schweizer Unternehmen, wie Mercedes-Benz, Moët & Chandon oder Rolex, Credit Suisse, Jura oder Lindt & Sprüngli.

Godsick ist mit der früheren Weltnummer 4 Mary-Joe Fernandez verheiratet, mit der er zwei Kinder hat: Tochter Isabella Maria (18) und Sohn Nicholas (14), der sich – inspiriert durch seine Mama und Federer – zu einem US-Nachwuchstalent entwickelt.

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