Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Pyeongchang ist nicht Pjöngjang: BLICK besucht das trostlose Olympia-Dorf

Pyeongchang gab den Spielen den Namen. Das Dorf selbst ist kein Teil davon. Und doch erhofft man sich hier von Olympia einen Schub.

, Aktualisiert 5 Reax , 424 Views
teilen
teilen
0 shares

Warum schreibt sich Olympia-Ort Pyeongchang eigentlich offiziell PyeongChang, was sprachlich gar keinen Sinn macht? Weil man mit dem grossen C in der Wortmitte die Verwechslungsgefahr mit Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang bannen will. Der Olympia-Ort heisst übersetzt «Friede und Gedeihen», die Stadt beim verfeindeten Nachbarn «gemütvolle Umgebung».

Wer in Pyeongchang ist und nach Pyeongchang will, muss eine Stunde fahren. Klingt seltsam, liegt aber daran, dass die Ortschaft, die der Olympia-Region den Namen gibt, gar nicht Teil der Spiele ist. Der koreanische Concierge im Hotel gluckst denn auch amüsiert, als ihm BLICK eröffnet, man wolle nach Pyeongchang-eup. Das «eup» steht für «kleines Dorf». Und wer die einstündige Autofahrt durch die südkoreanische Einöde hinter sich gebracht hat, weiss auch warum.

 

Kurz vor Erreichen der Ortschaftsgrenze flattert ein einsames «Welcome»-Plakat an ein paar bunten Ballons über einer Brücke. «Happy 700» heisst es überall in der 9900-Einwohner-Gemeinde. «Forscher haben herausgefunden, dass es sich auf 700 Metern über Meer am gesündesten lebt», klärt uns der Taxifahrer auf.

Es gibt eine kleine Innenstadt, einen Markt, einen Busbahnhof, dafür fast keine Menschen auf der Strasse. Wir treffen auf Ok Ja Kim (65). Sie stellt die Plastiksäcke mit ihren Einkäufen neben sich ab. «Die Olympischen Spiele schaue ich am Fern­seher», sagt sie. «Ich kann mir keine Tickets leisten.»

Eine klare Haltung hat Min Kyu Yoon (21). «Für Sportler und Fans sind die Spiele schön», sagt der Student. «Aber da wurde jetzt viel gebaut. Davon haben die normalen Leute nichts. Die meisten hier sind nicht für die Spiele.» Es gebe jetzt schon negative Entwicklungen. «Die Preise sind wegen Olympia stark gestiegen», sagt er. «Nicht nur in den Hotels für die Touristen, auch für uns in der Gegend.»

Vertrauen in die Regierung

Jin Hyuk Gi (36) verkauft Früchte. Mit einer Ananas in der Hand läuft er die Strasse entlang und bietet frisch abgeschnittene Stücke an. «Die Spiele werden für die Allgemeinheit wahrscheinlich ein Verlustgeschäft. Aber ich hoffe, dass für uns am Schluss doch etwas hängen bleibt. Dass Touristen kommen und die un­sere Wirtschaft ankurbeln. Die Regierung hat das bestimmt mit einberechnet.»

Auffällig: Wer ein Geschäft zu machen hofft, glaubt auch im kleinen Pyeongchang an die Spiele. «Gestern war das koreanische Fernsehen hier», sagt Young Nam Kim. Die 66-Jährige arbeitet als Köchin auf dem Markt, der nicht mehr Pyeongchang Market heisst, sondern nun der Pyeongchang Olympic Market ist und vor Olympia eine Generalüberholung bekommen hat – Beflaggung inklusive. Wie die Haupt­strassen, die kürzlich erneuert wurden.

Kim bereitet Jeonbyung zu, eine Art koreanische Crêpe, die mit Reis und Gemüse gefüllt ist. «Seit der TV-Beitrag gesendet wurde, kommen massenweise Bestellungen rein», sagt sie und deutet auf die Pakete, die sich stapeln. «Wir haben es extrem streng.» Im Moment lohnen sich die Spiele für sie. Ob das auch in einem Jahr so ist? «Die Regierung hat sich das bestimmt gut überlegt», sagt sie.

Olympia-Ticker

Seit dem 09. Februar laufen die 23. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Alle Highlights und aktuellen Sportnews aus Südkorea gibts immer im Ticker.

 

Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Newsletter

Erhalte die besten Geschichten täglich per E-Mail Newsletter Abonnieren