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«Roger weinte in meinen Armen»: Zehn Tennis-Cracks über das Spiel ihres Lebens gegen Federer

Kennen Sie Markus Hantschk und James Sekulov? Kaum zu glauben, aber wahr: Die zwei gehören zum elitären Kreis der 24 Spieler, die auf der ATP-Tour eine positive Bilanz gegen Roger Federer haben. 10 Tennis-Cracks über die Spiele ihres Lebens.

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Gegen 24 Gegner hat Federer eine negative Bilanz. 10 Tennis-Crack erzählen von den Spielen gegen den Maestro.

Patrick Rafter

«Sein Handicap war seine mentale Reife»
«3:0 gegen Federer – das ist unglaublich, macht mich aber nicht stolz, denn es gibt eine einfache Erklärung dafür. Als ich gegen Roger spielte, war er noch jung, wurde aber von Jahr zu Jahr besser. Ganz ehrlich: Dass er mal so gut werden würde, konnte ich mir nicht vorstellen. Das erste Mal auf Roger traf ich an den French Open 1999. Es war seine Grand-Slam-Premiere. Da ich sein Spiel zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, brauchte ich einige Zeit, um mich auf ihn einzustellen. Deshalb verlor ich den ersten Satz. Rogers grösstes Handicap war seine mentale Reife, er war ja auch erst 17 Jahre alt. Das war wohl auch ein Grund, weshalb ich das Spiel kehren und in vier Sätzen gewinnen konnte.

2001 in Miami traf ich erneut auf Roger. In der Runde zuvor bestritt er eine harte Partie. Das war spürbar. Zudem trat er mit zu viel Respekt vor mir auf. Das kam mir natürlich entgegen, und ich schlug ihn locker in zwei Sätzen.

Wenige Monate später kreuzten sich in Halle unsere Wege zum dritten und letzten Mal. Roger hatte gar einen Matchball, doch ich hatte Glück und konnte das Spiel noch kehren. Spätestens da war klar, dass er bald durchstarten würde. Zwei Wochen später schlug er in Wimbledon dann Pete Sampras.

Mittlerweile ist Roger der grösste Tennisspieler aller Zeiten. Und mit über 300 Wochen die längste Nummer 1 der Geschichte. Ich führte immerhin eine Woche lang die Weltrangliste an. Mich mit Roger zu vergleichen, macht keinen Sinn. Er ist in einer komplett anderen Stratosphäre unterwegs.

Ganz ehrlich – mich überrascht, dass Roger noch immer spielt. Solange er noch Turniere gewinnen kann, wird er wohl nicht aufhören.
Übrigens: Mein Direktduell gegen einen anderen Schweizer, gegen Marc Rosset, ging 2:2 aus. Das Komische daran: Ich kann mich an die Siege gegen ihn nicht mehr erinnern, an die Niederlagen aber schon. Ich mag Marc. Es brauchte zwar einige Zeit, um ihn kennenzulernen und zu verstehen. Aber Marc ist ein lustiger, glücklicher Mann.»

Der Australier Patrick Rafter (45) gewann zwei Grand-Slam-Turniere (US Open 1997/98). 1999 war er für eine Woche die Weltnummer 1. Und was macht Rafter heute? «Ich arbeite viel auf meinem Grundstück. Ich fahre Traktor, grabe Löcher und stelle Viehzäune auf. Ich liebe das.»

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1999 verliert Roger Federer sein Spiel gegen den Australier Patrick Rafter. Sven Thomann

 

Christophe van Garsse

«Ich schlug Gott»
«Dank Federer gewinne ich heute noch das eine oder andere Bierchen. Weshalb das so ist? Es kommt immer mal wieder vor, dass ich mit Freunden in einer Bar unterwegs bin und sie dann anderen Leuten erzählen, dass ich einst Roger geschlagen hätte. Da diese das dann jeweils nicht glauben, wetten wir um ein Bier. Und schon gibts wieder ein Gratis-Bier für mich. Mein Sieg liegt allerdings schon fast 20 Jahre zurück. 1999 im Davis Cup wars. Ich war zwar auf der Tour nie so richtig erfolgreich, im Davis Cup aber schon. Das Talent von Roger war schon damals sichtbar, auch wenn er selbst fast noch ein Baby war. Das Spiel selbst war kein schönes. Da wir auf Sand spielten, streute ich viele Stoppbälle ein. Ich schlug Roger schliesslich in fünf Sätzen. Nach über drei Stunden. Anschliessend weinte er in meinen Armen. Leider habe ich ihn danach nie mehr gesehen. Doch seitdem verfolge ich seine Karriere aufmerksam. Ich bin einer seiner grössten Fans. Dass ich einst Gott geschlagen habe, ist noch heute einfach unglaublich!»

Der Belgier Christophe van Garsse (44) gewann zwei Challenger-Turniere. Heute ist er in seiner Heimat Sales Manager eines Fitness-Klubs.

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1999 durfte der Belgier Christophe van Garsse im Davis Cup gegen Roger Federer jubeln. AP

 

Kenneth Carlsen

«Mein Plan ging auf»
«Miami 1999, erste Runde. Ich war damals schon seit Jahren auf der Tour, quasi ein alter Mann, und Roger war ein sehr junger Spieler. Alle wussten, dass Roger ein Riesentalent mit einem unglaublichen Potenzial ist. Doch ich konzentrierte mich voll auf mich und wusste: Junge Spieler haben gelegentlich noch Mühe, sich zu fokussieren. Mein Plan ging auf. Ich siegte in zwei Sätzen und war natürlich glücklich. Erst heute bin ich mir bewusst, wie wertvoll dieser Sieg war. Stolz darauf bin ich aber nicht, es ist einfach witzig, dass ich gegen den besten Tennisspieler aller Zeiten eine positive Match-Bilanz vorweisen kann. Ich selbst denke auch nicht jeden Tag daran. Da ich aber noch immer im Tennis-Zirkus unterwegs bin, werde ich gelegentlich daran erinnert.»

Der Däne Kenneth Carlsen (45) gewann drei Turniere. Auch nach seinem Karriereende 2007 blieb er dem Tennis erhalten – als Captain des dänischen Davis-Cup-Teams und als Experte fürs heimische Fernsehen.

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«Erst heute bin ich mir bewusst, wie wertvoll dieser Sieg war», sagt Kenneth Carlsen. Getty Images

 

Lukas Arnold Ker

«Ein Doppel mit Federer wäre wunderbar»
«Federer war bei meinem Sieg in Gstaad noch jung, 17 Jahre alt. Das Spiel war sehr ausgeglichen, auch wenn ich mit 6:4, 6:4 gewann. Aber Federer wurde nicht wütend, wie sonst oft in den jungen Jahren seiner Karriere. Ich hätte damals nie gedacht, dass Federer eine solche Karriere hinlegen würde. Heute unterrichte ich Tennis in Argentinien. Und ich würde Federer gerne fragen, ob er mal ein Doppel mit mir spielen würde. Das wäre wunderbar!»

Der Argentinier Lukas Arnold Ker (43) war vor allem ein Doppel-Spezialist. Zweimal erreichte er in Basel den Doppel-Final.

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Lukas Arnold Ker stand unter anderem zwei Mal im Basel im Doppel-Final. Getty Images

 

Markus Hantschk

«Das macht mich stolz»
«Als ich 2000 in St. Pölten gegen Roger antrat, war er ein talentierter Spieler, gleichzeitig waren seine Leistungen aber noch unkonstant. Er spielte an diesem Tag nicht sehr gut, und ich schlug ihn deutlich 6:2 und 6:1. Damals konnte ich noch nicht ahnen, wie speziell dieser Sieg mal sein wird. Rückblickend macht mich meine Leistung natürlich stolz. Übrigens: Drei Jahre später schlug ich an einem Turnier in Belgrad auch noch Rafael Nadal. Ich habe demnach während meiner Karriere gegen zwei der besten Tennisspieler gewonnen.»

Der Deutsche Hantschk (40) war einst die Nummer 68 der Welt. Heute führt er in im bayrischen Böbrach ein Wellness- und Sporthotel.

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«Rückblickend macht mich meine Leistung natürlich stolz», sagt Markus Hantschk. Imago

 

Franco Squillari

«Meine schönsten Erfolge überhaupt»
«Ich hatte vorher schon einige Male mit Federer trainiert, ehe ich ihn 2001 an einem heissen Tag in Hamburg erstmals schlug. Schon als junger Spieler gab er seinen Gegnern nur selten eine Chance. Ich schlug ihn trotzdem 6:3, 6:4. Ich bin aber überzeugt: Hätte ich den Sack im zweiten Satz nicht zugemacht, hätte ich das Spiel verloren. Zwei Jahre später trafen wir in Sidney erneut aufeinander. Federer war schon in den Top 6 der Weltrangliste, er war also Favorit. Ich ahnte, dass er nach seiner Anreise aus Doha noch unter Jetlag leiden würde. Genau so kam es, zum Glück. Mein Sieg überraschte mich, denn auf Hardcourt war ich eigentlich schwach.

Federer war schon damals sehr selbstsicher, einfach anders als die anderen. Ich hätte aber nicht gedacht, dass er noch so viel gewinnen würde. Die Erfolge gegen ihn zählen im Nachhinein zu meinen schönsten überhaupt. Zwei Spiele, zwei Siege – und das gegen Federer!
Er wird je länger je mehr zur Legende, es ist unglaublich, wie er sein Level hält. Wie er das mit vier Kindern macht? Ich kann es nicht glauben. Ich bewundere ihn und geniesse jedes seiner Spiele, die ich noch erleben darf.»

Der Argentinier Franco Squillari (42) konnte drei ATP-Turniere gewinnen. 2000 schaffte er es an den French Open bis in den Halbfinal und in der Weltrangliste bis auf Platz 11.

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Der Argentinier Franco Squillari ist auch heute noch ein grosser Bewunderer von Federer. AP

 

James Sekulov

«Roger wirkte unkonzentriert»
«Indianapolis 2000, erste Runde: Rogers Talent war schon damals sichtbar, aber ich hätte nie daran gedacht, dass er später fast unschlagbar wird. Im Spiel selbst wirkte er cool und ruhig, gelegentlich aber auch unkonzentriert. Ich siegte 6:4, 7:5. Leider geriet danach meine Karriere ins Stocken. 2002 trat ich vom Spitzensport zurück. In Erinnerung bleibt natürlich vor allem mein Sieg gegen Roger. Noch heute sind meine Freunde stolz auf mich und sagen mir immer wieder, dass ich den besten Spieler aller Zeiten geschlagen habe.»

Der Australier James Sekulov (41) schaffte es bis auf Platz 123 der Weltrangliste.

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«Noch heute sind meine Freunde stolz auf mich und sagen mir immer wieder, dass ich den besten Spieler aller Zeiten geschlagen habe.» AP

 

Jan Siemerink

«Ich schenkte ihm eine Flasche Champagner»
«Ich habe nur einmal gegen Roger gespielt – und gewonnen! Das war 1998 im Viertelfinal von Toulouse. Roger war damals noch sehr jung, und ich als Routinier überraschte ihn mit meinem Serve-and-Volley-Spiel. Ich habe danach sogar das Turnier gewonnen. Es war mein letzter Titelgewinn. Einige Jahre später traf ich ihn wieder. Ich arbeitete mittlerweile fürs Fernsehen und durfte ihn nach seinem Wimbledon-Sieg interviewen. Er war überrascht, mich zu sehen und erinnerte sich daran, dass ich ihn einst besiegt hatte. Als Geschenk überreichte ich ihm eine Flasche Champagner. Er freute sich sichtlich und bedauerte, dass er nicht wie Formel-1-Champions die Flasche auf dem Centre Court öffnen und verspritzen darf. Dieses Zwei-Minuten-Interview werde ich nie vergessen. Genau wie meinen Sieg gegen ihn. Heute kann ich voller Stolz sagen: Ich habe gegen den besten Spieler aller Zeiten nie verloren!»

Der Holländer Jan Siemerink (48) gewann vier ATP-Turniere. 2002 beendete er seine Karriere. Im Februar 2018 wurde er beim Fussballklub Ajax Amsterdam Teammanager.

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Jan Siemerink und Roger Federer 2012. KEY

 

Francisco Clavet

«Eine noble Geste»
«Für mich ist Federer der grösste Tennisspieler aller Zeiten und eines meiner grössten Idole. Man kann sich deshalb gut vorstellen, was es mir bedeutet, das Privileg gehabt zu haben, gegen ihn gespielt und ihn bezwungen zu haben. Federer war zu dieser Zeit ein junger, verheissungsvoller Spieler, aber noch nicht die Legende, die er heute ist. Dennoch ist dieser Sieg 2000 in Cincinnati für mich einer meiner wichtigsten und schönsten und einer, auf den ich besonders stolz bin. Jahre später, als ich bereits zurückgetreten war, und Trainer von Giraldo war, hatten wir ausgemacht , dass Giraldo in Cincinnati mit Federer trainieren würde. Als ich ihn sah, hat er sich an unser Spiel und an den Ort erinnert. Eine sehr noble Geste! Er hat grosse menschliche Qualitäten. Er ist ein Crack im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bewundere ihn sehr.»

Der Spanier Francisco Clavet (49) war ein Sand-Spezialist und schaffte es bis auf Platz 18 der Weltrangliste.

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Clavet: «Für mich ist Federer der grösste Tennisspieler aller Zeiten und eines meiner grössten Idole.» AFP

 

Dominik Hrbaty

«Ich spielte schnell und hart»
«Um Roger schlagen zu können, musst du das beste Tennis deines Lebens spielen – und gleichzeitig darf er nicht seinen besten Tag erwischen. Ich habe einmal gegen ihn verloren, aber zweimal gewonnen! Besonders in Erinnerung bleibt mir mein Sieg 2004 in Cincinnati. Roger war damals schon die Nummer 1. Am Morgen vor dem Spiel trainierten wir noch gemeinsam. Ich machte damals einige Fotos von uns und schickte sie meiner Freundin per MMS als Morgengrüsse. Das Spiel selbst war eines der besten meines Lebens. Ich spielte schnell, hart und an die Linien. Ich fragte ihn danach oft: Weisst du, gegen wen du noch nie gewonnen hast? Seine Antwort: leider gegen dich. 2008 verlor ich dann in Wimbledon doch noch gegen ihn.»

Der Slowake Dominik Hrbaty (40) schaffte es bis auf Platz 12 der Weltrangliste und holte sich 6 Turniersiege. 2012 beendete er seine Karriere.

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Roger Federer und Dominik Hrbaty 2004. Getty Images

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Gegen diese 24 Gegner hat Federer eine negative Bilanz:

Lucas Arnold Ker (Arg) 0:1

Byron Black (Sim) 0:1

Sergi Bruguera (Sp) 0:1

Kenneth Carlsen (Dä) 0:1

Francisco Clavet (Sp) 0:1

Alex Corretja (Sp) 2:3

Novak Djokovic (Ser) 22:24

Jewgeni Donskoi (Russ) 0:1

Thomas Enqvist (Sd) 1:3

Wayne Ferreira (SA) 1:2

Andrea Gaudenzi (It) 0:1

Markus Hantschk (De) 0:1

Dominik Hrbaty (Slk) 1:2

Jewgeni Kafelnikow (Russ) 2:4

Thanasi Kokkinakis (Aus) 0:1

Gustavo Kuerten (Br) 1:2

Andrij Medwedjew (Ukr) 0:1

Rafael Nadal (Sp) 15:23

Patrick Rafter (Aus) 0:3

James Sekulov (Aus) 0:1

Jan Siemerink (Ho) 0:1

Franco Squillari (Arg) 0:2

Dominic Thiem (Ö) 1:2

Christophe Van Garsse (Be) 0:1

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