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«Unser erstes Büro war ein alter Kühlraum»

Mit 23 Jahren hat Mario Noser aus Uznach SG bereits etwas geschafft, was nur wenige in ihrem Leben machen: Er hat eine eigene Firma gegründet. Blick am Abend hat mit ihm über die Schwierigkeiten einer Firmengründung, über Erfolgserlebnisse und Rückschläge gesprochen.

Mario Noser, der 23-Jährige Unternehmer aus Uznach, SG

Vor vier Jahren bemerkte der St. Galler Mario Noser (23), dass er auf Instagram mehr Follower hat als der Modekonzern Vögele Shoes. «Ich erklärte mir das ganz einfach damit, dass eine Vielzahl von Firmen nicht wusste, wie wichtig eine Social-Media-Präsenz für ihre Marke ist. Ausserdem hatten sie keine Ahnung, wie man diese Präsenz aufbaut und pflegt», erklärt Noser im Gespräch mit Blick am Abend.

Drei Jahre von der Idee bis zur Firmengründung

Ende 2015 benutzten weltweit knapp 500 Millionen User Instagram mindestens einmal pro Monat. Diese Zahl hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt. Social-Media-Plattformen sind in den letzten Jahren nicht nur massiv gewachsen, sondern auch die Art der Inhalte hat sich stark geändert. Gerade dieser stete Umschwung mache es für eine traditionelle Firma eher schwierig, eine langsichtig erfolgreiche Social Media Präsenz zu schaffen, so Noser. Diese Nische brachte ihn auf eine Idee.

Ein Laptop, eine Kamera, viel mehr brauchte es für einen Firmenstart nicht.

Über einen Zeitraum von drei Jahren hat Noser mit Freunden diese Idee entworfen und weiterentwickelt. Immer wieder gab es Wechsel im Team, einige Male drohte die Sache zu versanden, bis schliesslich im März 2018 die Kollektivgesellschaft «Jetztvernetzt» von Mario Noser und zwei Freunden gegründet wurde. Die Strategie: Kunden bei der Entwicklung von Social-Media-Konzepten zu helfen. Die Firma bietet aber auch die komplette Bewirtschaftung von Unternehmens-Social-Media Kanälen an.

«Schon zu Beginn der Idee wusste ich, dass ich nicht die gesamte Bandbreite an Dienstleistungen alleine anbieten kann», so Noser. Darum holte er sich für die Gründung den Fotografen und Videomacher Ramon Meier ins Boot. Noser selbst ist für die Texte, Konzepte und fürs Administrative zuständig. Das dritte Gründungsmitglied, Morena Frehner, hat die Firma mittlerweile wieder verlassen. Dafür ist Chris Melo zugestossen, der für die Content Creation verantwortlich ist.

«Mittlerweile beträgt unser gemeinsames Pensum 150 Prozent», erzählt Noser. Die drei haben alle ihre ursprünglichen Jobs behalten. «Jetztvernetzt» machen sie nebenbei. «So hing nie alles von unserer eigenen Firma ab, was uns meiner Meinung nach gesund wachsen liess», erklärt Noser. Er arbeitet nebenbei als freier Redakteur für die «Linth-Zeitung» und in einer lokalen Bar, Ramon Meier als Werbetechniker.

Firmenstart im ehemaligen Kühlraum

«Einfach war der Weg bis hierhin sicherlich nie», sagt Noser. «Plötzlich bist du im Freundeskreis der Firmengründer, auch wenn du es selbst nie wirklich bemerkst.» Natürlich weise er aber bei günstigen Gelegenheiten darauf hin, da es gerade als Jungunternehmer sehr wichtig sei, sein Netzwerk konstant auszubauen und zu pflegen. Bis heute finanziert sich die Firma nur durch Kundengelder. «Wir haben nie einen externen Kredit oder Ähnliches aufgenommen.» Dies berge natürlich auch gewisse Gefahren, gibt Noser zu. «Wir waren einige Male nah dran, die ganze Sache aufzugeben, zum Beispiel beim Ausstieg eines wichtigen Kunden oder wegen der anhaltenden administrativen Flut.»

Eine grosse Schwierigkeit sei auch das Rekrutieren von weiteren Mitarbeitern gewesen, die das nötige Know-How mitbringen und gleichzeitig annähernd so begeistert von der Idee sind wie Noser selber. Ausserdem müsse Jetztvernetzt viel Aufklärungsarbeit leisten, da vor allem in Chefetagen oft noch nicht viel über Social Media und die damit einhergehenden Möglichkeiten bekannt sei.

Alle Anfang war schwer. Noser erzählt: «Anfangs diente der ehemalige Uznacher Kühlraum als unser Büro: ein ungeheizter Raum ohne Internetanschluss und mit mickrigem 3G-Empfang. Da die sanitäre Einrichtung nur ein Pissoir umfasste, musste man fürs grosse Geschäft nach Hause fahren.» Zwei Laptops und eine Kamera bildeten das erste Startequipment der Firma. Die erste Kundin war eine lokale Fahrschule. «So entwickelten wir uns Schritt für Schritt bis heute weiter, kauften uns eine neue Kamera, dann ein Stativ, Lampen fürs Videoset und so weiter.», erzählt Noser. Kürzlich ist «Jetztvernetzt» in neue, richtige Büroräume eingezogen, inklusive Internet, Heizung und Toilette.

Die Kommunikation mit den Kunden ist Mario Noser sehr wichtig

«Selbständigkeit bedeutet, sich selbst ständig ‚in den Arsch chlüübe’»

«Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Charaktereigenschaften für eine Firmengründung Vertrauen, eine gewisse Ruhe und ein starkes Durchsetzungsvermögen.» Nur so sei es laut Noser möglich, eine Firma gesund wachsen zu lassen. «Ausserdem darf man sich nie zufrieden geben, denn das bedeutet Stillstand, der Erzfeind der Innovation.» Die drei Jung-Unternehmer haben schnell bemerkt, dass sie sich in anderen Bereichen einschränken müssen, um eine Chance auf Erfolg zu haben. «Wir waren dieses Jahr für einen Auftrag am Openair Frauenfeld. Während unsere Freunde Party machten, mussten wir arbeiten.» Da die drei aber voll hinter ihrer Idee stehen, brauche so was aber nicht viel Überwindung für sie. «Trotzdem dürfen wir natürlich nach einem harten Tag auch mal eins trinken gehen», lacht Noser.

Grund zum Feiern hat Noser genug: «Mit 23 Jahren sein eigener Chef zu sein, ist für mich wahnsinnig belohnend. Ich entscheide, was ich kreiere, und bin von der Ideenfindung bis zur finalen Version beteiligt.» Ausserdem könne er mit jeder Erfahrung, sei es in der Buchhaltung, im Marketing oder beim Umsetzen von Konzepten, fürs Leben lernen. Man muss aber wissen: «Selbständigkeit bedeutet, sich selber ständig “in den Arsch chlüübe”», fügt Noser an.




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