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Böser netter Mann: Die Filmkritik zu «The Sense of an Ending»

«The Sense of an Ending» ist die Verfilmung von Julian Barnes’ brillantem Roman. Sie lässt sich auf ein Date ein – er macht sich Gedanken zur Schönheit von Männern.

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Kinoexperte Lukas Ruettimann sagt:

Vor Jahren schrieb ich einen Artikel mit dem Titel «Männer finden sich schöner, als sie sind». Nicht etwa eine ­Satire – Wissenschaftler hatten bewiesen, dass Männer generell sehr viel unkritischer mit sich selbst umgehen als Frauen. Selbstverständlich auch, was ihr Äusseres angeht.

Tony Webster, der Protagonist in «The Sense of an Ending», findet sich vielleicht nicht unbedingt schöner, definitiv aber netter, als er ist. Er schlägt dem Postboten die Türe vor der Nase zu und gefällt sich in zynischen Sprüchen. Trotzdem ist er kein Unsympath – erst nach und nach enthüllt der Film seine dunklen Seiten aus der Vergangenheit. Das geschieht längst nicht so brillant wie in Julian Barnes’ grossartiger Romanvorlage. Gedanken lassen sich nun mal schwer in Leinwand-­Action übertragen. Doch die Spannung darüber, was sich letztlich hinter dem ominösen Tagebuch des durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Freundes verbirgt, hält bis zum Schluss. Dieser enttäuscht dann aller­d­ings mächtig: Regisseur ­Batra verpasst seiner Verfilmung ein bittersüsses, kitschiges und irgendwie verwirrendes Ende, bei dem der sonst grossartige Charakterdarsteller Jim Broadbent sein typisches Netter-Onkel-Gesicht aufsetzen darf. Da war das Buch um einiges radikaler. Wie soll ich sagen? Misslungen ist «The Sense of an Ending»­ ­sicher nicht – aber der Film findet sich ­definitiv raffinierter, als er ist.

Lifestyle Praktikantin Jessica Auer sagt:

Mein erstes Rendezvous mit dem Filmemacher Ritesh Batra war perfekt. «Lunchbox» ist ein Feel-Good-Movie, der in seiner Glaubwürdigkeit das Herz berührt. So liess ich mich auf ein zweites Treffen für «The Sense of an Ending» ein und musste feststellen, dass unsere rosige Zukunft erste Risse bekommt.

Tony Websters Leben in Pension ist unspektakulär. Als ihm das Tagebuch seines ehemaligen bes­ten Freundes Adrian, der ihm zu Universitätszeiten seine erste Liebe Veronica ausspannte und dann Sui­zid beging, vererbt wird, holt ihn die Vergangenheit ein. Während Julian Barnes in der Romanvorlage die damit verbundenen Thematiken in einem philosophischen Ansatz behandelt, will es dem Film nicht gelingen, ­diese Tiefgründigkeit auf die Leinwand zu bringen.

Die Filmminuten ziehen dahin, man beobachtet anhand von Zeitsprüngen zwar mal lächelnd, mal gerührt, wie sich der Protagonist in seinen eigenen Lebenslügen windet – Krokodilstränen und die grosse Selbstreflexion bleiben aber aus.

Was bleibt und somit das Drama durchaus sehenswert macht, ist dessen Mut, sich Zeit für lange Szenarien und Details zu nehmen – inklusive britischen Charmes, fantastischer Filmmusik und eines Jim Broadbent in seiner Paraderolle als selbstironischer Griesgram. Ob ich mich noch auf ein drittes Date mit Ritesh einlassen würde? Auf jeden Fall!

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