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Das Leben im Dorf – bitte nicht!

Yaël Meier ist 18 Jahre alt und wohnt in Zürich. Sie schreibt wöchentlich über das, was die Schweizer Jugend bewegt.

Yaël Meier (18)

Ich wuchs in einem idyllischen Dorf auf. Habe, umgeben von Bergen und Seen, ständig mit anderen Kindern im Wald Hütten gebaut, Verstecken durchs ganze Dorf gespielt und jeden gegrüsst, der auf der Strasse an mir vorbeikam. Das war schön. Je älter ich wurde, desto mehr fielen mir die Nachteile des Dörfchenlebens auf.

Die fehlende Anonymität ist wohl das Nervigste am Ganzen. Jeder kennt jeden. Jeder redet über jeden, und jeder glaubt, alles über alle zu wissen. Gerüchte verbreiten sich wohl an keinem anderen Ort so schnell wie in einem Dorf. Ausser vielleicht an einer Schule.

Auch ziemlich mühsam ist, dass alles so weit entfernt ist. In den Ausgang geht man nur, wenn man dann in der Stadt bei jemandem übernachten kann, und spontane Einkäufe sind auch nicht möglich. Als Kind wollte ich unbedingt in die Pfadi, zum Tanzen und Tennis spielen. Nach wenigen Malen ist mir die lange Autofahrt zum Kurs dann aber zu mühsam geworden, und ich weigerte mich, länger hinzugehen.

Jetzt lebe ich seit mehr als einem Jahr in Zürich – und liebe es. Spontane Drinks am Donnerstagabend? Ich bin dabei! Ins Kino gehen, drei Mal in der Woche? Nicht ohne mich! Leute, deren Weltoffenheit bis ins nächste Dorf reicht? Gott. Sei. Dank. Nicht. Tatsächlich wird mir selbst Zürich langsam zu klein – ich habe Gefallen an Paris gefunden.

Fürs Wochenende gehe ich aber noch immer gern zurück ins Dorf. Dann gefällt mir die Ruhe und Idylle zugegeben ziemlich gut. Wer weiss, vielleicht ändere ich meine Meinung zum Leben abseits irgendwann noch?  

Yaël liebt neben dem Schreiben alles, was ihre Kreativität auf Trab bringt. Kunst, Musik, Fotografie und die Schauspielerei gehören zu ihren Leidenschaften.

In einer wöchentlichen Kolumne beschäftigt sie sich mit aktuellen Themen, die die Schweizer Jugend beschäftigen.

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