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Ein Jahr #MeToo: Warum die Debatte noch lange nicht vorbei ist

Bettina Widmer (26) wohnt in Zürich und schreibt alle zwei Wochen darüber, was die 20- bis 29-Jährigen bewegt.

Bettina Widmer (26)

Es ist nun ein Jahr her, dass der Skandal um US-Filmmogul Harvey Weinstein publik wurde. Er soll Dutzende Frauen sexuell belästigt und genötigt haben. Es war die Geburtsstunde von #MeToo. Seither haben Millionen Frauen auf der ganzen Welt ihre Geschichten von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt geteilt.

Was hat sich seither verändert? Einige fordern, die Debatte endlich ruhen zu lassen. Sie sei übertrieben und unnötig. Viele Männer fühlen sich verunsichert oder angegriffen. Man könne als Mann überhaupt nichts mehr tun, ohne dass man gleich verurteilt werde. Ich sehe das anders.

Liebe Männer, es geht hier nicht um euch oder darum, dass ihr alle schlechte Menschen seid. Es geht darum, Frauen zu stärken. Ihnen Mut zu machen, über das Erlebte reden  zu können. Ich kenne leider zu viele Frauen – nicht zuletzt mich selbst –, die sich das lange nicht trauten. Aus Angst, als Lügnerin dargestellt oder selbst verantwortlich gemacht zu werden. «Hättest du mal…» oder «Wärst du halt nicht…» heisst es, oder «Das ist doch alles nur halb so schlimm!». Dank #MeToo werden Übergriffe nun endlich ernster genommen.

Einige mächtige Männer mussten im letzten Jahr die Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Ein guter und wichtiger Schritt! Und trotzdem wurde Anfang Monat Brett Kavanaugh, ein Mann, der beschuldigt wird, als Jugendlicher eine Frau belästigt zu haben, als Richter in den Obersten Gerichtshof der USA gewählt. Nominiert von Präsident Trump höchstpersönlich. Dem mächtigsten Mann der Welt. Eine Faust ins Gesicht eines jeden Opfers. Und genau das ist der Grund, warum #MeToo auch nach einem Jahr noch nicht vorbei ist. Die Debatte über sexuelle Übergriffe muss weitergehen. So lange, bis sie nicht mehr nötig ist.

Bettina hat Journalismus studiert und leitet das Online-Team von Blick am Abend. Sie mag Tiere, Literatur und TV-Serien.

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