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Einmal aus der Schweiz auswandern bitte

Yaël Meier ist 18 Jahre alt und wohnt in Zürich. Sie schreibt wöchentlich über das, was die Schweizer Jugend bewegt.

Yaël Meier (18)

Ich habe eine Krise. Am liebsten würde ich jetzt meine Siebensachen packen und mich aus der Schweiz verziehen. Ein Jahr durch Südamerika reisen – ohne Handy oder Kontakt zu irgendjemandem, das Leben von seiner anderen Seite kennenlernen. Oder ich würde nach New York ziehen und es einfach versuchen.

«Es» steht in diesem Fall für das grosse, unausgesprochene Ziel, von dem immer alle im Zusammenhang mit dem Big Apple reden, der Stadt, in der alles möglich ist. Ich möchte auch in ein Jugendstil-Apartment in Paris ziehen, in einem kleinen Café arbeiten, charmante Parisiens daten und in meiner Freizeit Mode kreieren. Oder ich miete mich in einem Strandhaus in Borneo ein, lebe von Sonne, Luft, frischen Kokosnüssen und dem Anblick weisser Strände, während ich meine Zeit und Fantasie dem Bücherschreiben widme.

Eigentlich steht all diesen Träumen ja nichts im Weg. Ausser das fehlende Geld auf dem Konto und das wahre Leben. Sprich: Die Verantwortung, die man hat und das Wissen, dass man nicht einfach alles stehen und liegen lassen kann. Die Verankerung an ein Land, einen Ort, ein bestimmtes Leben wird mit zunehmendem Alter wohl immer stärker. Jetzt verstehe ich, warum so viele Leute nach der Matura ein Jahr Pause machen und auf Reisen gehen – weil sie es dann noch am einfachsten können.

Ich nehme mir jetzt jedenfalls eine Auszeit und gehe für einige Tage in die Berge. Wenn alles gut kommt, bin ich dann zurück in der Realität und weiss, wo es billige Flüge nach Indonesien zu kaufen gibt.

Yaël liebt neben dem Schreiben alles, was ihre Kreativität auf Trab bringt. Kunst, Musik, Fotografie und die Schauspielerei gehören zu ihren Leidenschaften.

In einer wöchentlichen Kolumne beschäftigt sie sich mit aktuellen Themen, die die Schweizer Jugend beschäftigen.

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