Word

Instagram ist reine Zeitverschwendung

Yaël Meier ist 18 Jahre alt und wohnt in Zürich. Sie schreibt wöchentlich über das, was die Schweizer Jugend bewegt.

Yaël Meier (18)

Eine gute Freundin von mir hat sich von Instagram verabschiedet. Zumindest tat sie es einen ganzen Monat lang, was doch eine beachtliche Zeit ist. Als sie mir von ihrer Abwendung von den sozialen Medien erzählte, war ich zugegeben etwas geschockt. Mein fassungsloses «WAS?!» quittierte sie mit einem Achselzucken.

Sofort begann ich nach einer Veränderung in ihrer Erscheinung zu suchen. Strahlte sie plötzlich eine Tiefenentspanntheit aus, die man sonst nur durch drei Wochen Strandferien erlangt? «Weisst du», erklärte sie mir, «ich habe einfach gemerkt, dass ich so viel Zeit auf Instagram mit Nichtstun verschwende.» Ich fiel fast vom Stuhl. Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Auf der App vergisst man die Zeit. Wir scrollen wie Zombies, werden mit jedem neu gesehenen Post vom Aufhören abgehalten. Zeitverschwendend – aber auch -vertreibend. Ich fragte mich, was meine Freundin in den Momenten, wenn sie die Langeweile überkommt, tut.

Dann fiel mir etwas ein, was mein Papa mir als Kind zu sagen pflegte, wenn ich darüber jammerte, nichts zu tun zu haben. Langeweile muss sein. Erst dann wird man kreativ. Ich versuche nun, so wenig Zeit wie möglich auf Instagram zu verschwenden. Im Tram aus dem Fenster zu schauen, anstatt ins Handy zu glotzen. Die App nur noch zu öffnen, wenn ich etwas Bestimmtes nachschauen will.

Ganz verzichten könnte ich nicht. Ich würde mich zu abgekapselt von der Welt fühlen. Meine Freundin wohl auch. Sie hat ihr Profil wieder aktiviert, schreibt aber vorbildlich erst nach Stunden zurück.   

Yaël liebt neben dem Schreiben alles, was ihre Kreativität auf Trab bringt. Kunst, Musik, Fotografie und die Schauspielerei gehören zu ihren Leidenschaften.

In einer wöchentlichen Kolumne beschäftigt sie sich mit aktuellen Themen, die die Schweizer Jugend beschäftigen.

Send this to a friend