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Wie religiös sind wir jungen Schweizer noch?

Yaël Meier ist 18 Jahre alt und wohnt in Zürich. Sie schreibt wöchentlich über das, was die Schweizer Jugend bewegt.

Yaël Meier (18)

Ich denke nicht, dass die Religion in unserer Gesellschaft heute noch einen grossen Stellenwert einnimmt. In der Schweiz zumindest nicht. Ich gehe nur noch an Weihnachten in die Kirche, und das auch bloss, weil es sich zu einer Tradition entwickelt hat, die zur Festtagsstimmung dazugehört.

Früher ging man jeden Sonntag in den Gottesdienst und betete vor dem Essen und Schlafengehen. Heute spielt der Glaube, zumindest für die Jungen, die ich kenne, keine Rolle mehr. Keiner meiner Freunde geht noch in die Kirche oder betet regelmässig. Dabei ist so viel Kultur mit der Religion verbunden, die jetzt langsam vergessen geht.

Eine Freundin von mir verbringt gerade ein Jahr in den USA. Dort geht sie mit ihrer Gastschwester und vielen anderen Jugendlichen jeden Sonntag an einen Kirchenanlass, an dem gespielt, gelacht, getanzt und auch gebetet wird. Soll ganz lustig sein.

In Anbetracht aller Religionen und Glaubensrichtungen, die es auf der Welt gibt, liegt es wohl in der Natur des Menschen, an etwas Höheres zu glauben, das ihm die Welt erklärt. Wir Schweizer wissen vielleicht einfach zu viel, um die Religion wie unsere Grosseltern und Eltern auszuleben. Modernes Denken und das Internet verdrängen den Wunsch nach Führung und Hilfe einer höheren Kraft. Ich bin froh, dass das so ist. Religion führt auch zu Krieg und Hass auf der Welt. Jeder soll glauben, was er will, wenn er auch andere Ansichten respektiert. Und sonst sollten es am besten alle wie wir Schweizer machen. Die Religion vergessen, aber ihre Feste beibehalten.

Yaël liebt neben dem Schreiben alles, was ihre Kreativität auf Trab bringt. Kunst, Musik, Fotografie und die Schauspielerei gehören zu ihren Leidenschaften.

In einer wöchentlichen Kolumne beschäftigt sie sich mit aktuellen Themen, die die Schweizer Jugend beschäftigen.

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